Ein Held ist ein Held ist ein Held ... und was noch?
Held = Charakter? Nicht unbedingt...
Warum ich diese Unterscheidung mache? Es gibt in vielen Fantasyromanen Helden, aber längst nicht in allen Charaktere. Einem Helden stellt man üblicherweise eine Aufgabe und er meistert sie, sei sie auch noch so schwer. Er löst alle Rätsel, tötet alle Ungeheuer, befreit alle Prinzessinnen und überwindet den bösen Erzschurken. Und all das schafft er, ohne jemals wirklich anwesend zu sein. Natürlich wird er genau beschrieben: von den Fellstiefeln über die muskulösen Beine zur knapp sitzenden Fellhose hinauf zu seinem muskulösen Brustkasten und den ebenso muskulösen Armen. Außerdem darf seine, meist unaussprechlich benannte Waffe, das berühmte Schwert XYZ nicht fehlen. Was dem Helden dafür um so mehr fehlt, ist ein Kopf, vorzugsweise zum denken, nicht zum Wände oder Türen einrennen zu benutzen.
Selbstverständlich ist nicht jeder barbarisch angehauchte Held nur ein barbarischer Held. Manche können sich bis in die Sphären des Charaktertums emporschwingen. (Schönes Beispiel dafür sind die Hradani in David Webers Reihe War Gods Own, der Held Bazhell ist tatsächlich ein Charakter mit feinem Sinn für Humor.)
Aber es gibt leider genügend eindimensionale Helden, angesichts deren geringem IQ man verwundert ist, wenn sie sich mehr als nur grunzend artikulieren können. Um ein Held zu sein benötigt eine Romanfigur nicht viel, beim Charakter wird es da schon wesentlich anspruchsvoller.
Während den üblichen Helden zumeist lineare Taten auszeichnen, ist beim Charakter eine innere Entwicklung erkennbar. Der Charakter nimmt nicht jede Hürde mit Leichtigkeit, sondern stolpert und/oder fällt auch gelegentlich. Das Hinterfragen der eigenen Person und der Ereignisse um den Charakter herum spielen eine wichtige Rolle. Da ist mehr als stumpfes Abschlachten von Monstern gefragt. Der Weg führt vom Gedanken zur Tat, selbst wenn der Charakter nur auf äußere Einflüsse reagiert.